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ID 29371
file
title alternative
Ob der Künstler aus den Leiden der anderen das Kunstwerk schaffen darf?
creator
Takeda, Tomotaka
subject
ヴォルフガング・ケッペン
『ヤーコプ・リットナーの穴倉の手記』
ホロコースト
ビンヤミン・ヴィルコミルスキー
井伏鱒二『黒い雨』
盗作・剽窃
NDC
German literature
abstract
Gegen „Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch“, das 1992 als Wolfgang Koeppens Roman veröffentlicht worden war, wurde sofort ein Plagiat-Vorwurf erhoben. Der Verdacht hat sich als begründet erwiesen, indem man diesen mit 2002 herausgegebenen Jakob Littners originalen Memoiren „Mein Weg durch die Nacht“ vergleichend untersuchte.

Fünf Jahre danach, 2007, ist „Littners Aufzeichnungen“ noch als Koeppens Werk ins Japanische übersetzt und publiziert worden, was skandalös ist. Mir scheint aber noch problematischer zu sein, dass im Nachwort steht, Koeppen habe sich in die Lage des Opfers versetzt und einen autobiographischen Holocaust-Roman verfasst.

Wenn das Buch kein Plagiat, sondern wirklich von Koeppen geschrieben worden wäre, sollte gefragt werden, ob sich ein Schriftsteller, der zum Tätervolk gehört, wenn auch fiktional, als ein jüdisches Opfer ausgeben und dessen Autobiographie verfassen dürfte. Den Übersetzer scheint so ein Zweifel nicht zu quälen.

In dem „Fall Wilkomirski“ aus den 90er Jahren, bei dessen „Bruchstücke“ es sich um eine Fälschung der Holocaustliteratur handelt, wurde u.a. diskutiert, ob ein Nichtjude, der kein Opfer ist, autobiographische Erinnerungen verfassen dürfe, ob man Wilkomirskis Buch für eine Fiktion halten könne oder ob es einfach eine Lüge, eine Fälschung sei.

Man ist damals zu dem Schluss gekommen, dass Wilkomirski/Dössekker ein Betrüger ist, dass es in der Holocaustliteratur auf die Authentizität ankommt, also nur die jüdischen Opfer berechtigt sind, die entsetzlichen Erlebnisse autobiographisch aufzuzeichnen.

Um sich an die eigenen schmerzlichen Erlebnisse zu erinnern und sie aufzuzeichnen, muss man sich davon ein wenig distanzieren, und zu den schriftlichen Niederlegungen muss man sorgfältig passende Worte wählen und die Sätze stilstisch und rhythmisch gut ordnen. Das ist zur Bewältigung der eigenen vergangenen Schmerzen erlaubt und auch nötig, aber wenn der Schriftsteller die Leiden der anderen zum Stoff für ein Kunstwerk benutzt, müsste man fragen, ob es nicht unmoralisch ist.

In der Erzählung „Jigokuhen“ (Höllengemälde) von Akutagawa wird ein Maler beschrieben, der den Mäzen bat, ihm zum Zweck der Vollendung des bestellten Höllengemäldes eine sich im aufflammenden Luxuswagen vor Qual wälzend sterbende schöne junge Dame zu zeigen, und seine einzige Tochter im auflodernden Prachtvehikel einen grausamen Tod finden sehen sollte. Vor Kummer fast zusammenbrechend, zugleich von der schauerlichen Schönheit bezaubert, stand er da und schaute der schauderhaften Szene wie gebannt zu. Das Kunstwerk konnte er vollenden, aber am andern Tag hat er sich das Leben genommen.

Hierbei handelt es sich um einen extremen Fall, aber schreckliche Qualen wie die in Auschwitz oder in Hiroshima sollten dem außenstehenden Nichtopfer sozusagen unantastbar sein. Daraus ein Kunststück zu schaffen, sollte tabu sein. Wenn es sich bei Ibuses „Schwarzer Regen“ nicht um ein Plagiat des Tagebuchs eines Atombombenopfers handelte, wäre Ibuses Vergehen noch schlimmer. Einem Schriftsteller, der selbst kein Opfer ist, ist nur erlaubt, eine Reportage herauszugeben oder ein Dokumentarwerk zusammenzustellen.

Gibt es keinen andern Weg?

Wolfgang Koeppen, der seinen Prinzipien nicht bis ins hohe Alter treu sein konnte, hatte in der ersten Hälfte der 50er Jahre seine wichtigsten Romane veröffentlicht, u.a. „Der Tod in Rom“. Da werden das Leben und Schicksal eines alten Nazitäters und eines opportunistischen Mitläufers und die schweren Kämpfe ihrer Söhne in der Nachkriegszeit behandelt. Gerade das Thema gehört den deutschen Schriftstellern. Nicht den Leidensweg des jüdischen Opfers, sondern die Schuld der deutschen Verbrecher und die Probleme der nachfolgenden Generationen hat Koeppen schon 10 Jahre früher als Peter Weiss, Martin Walser („Der schwarze Schwan“) usw. und über 20 Jahre vor der „Väterliteratur“ seit der zweiten Hälfte der 70er Jahre zum Thema seines Romans gewählt. Ob er das der Lektüre der Aufzeichnungen Littners verdankt, ist unklar.
journal title
Beiträge zur Deutschen Literatur, Sprache und Kultur
issue
Issue 42
start page
13
end page
26
date of issued
2009
publisher
日本独文学会中国・四国支部
issn
0918-2810
ncid
language
jpn
nii type
Journal Article
HU type
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