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ID 35095
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Warum nicht die Würde, sondern die Ehre? : Über Die verlorene Ehre der Katharina Blum
creator
Takeda, Tomotaka
NDC
German literature
abstract
Warum hat Heinrich Böll um die Mitte der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch die „Ehre", diesen obsoleten Begriff, thematisiert, und zwar gerade in einer der wichtigsten seiner späten Er- zählungen? Die Ehre war seit „Effi Briest" über „Leutnant Gustl" bis zu „Radetzkymarsch" immer stärker kritisiert worden. Nach dem zweiten Weltkrieg wird behauptet: „In der Demokratie weiß niemand genau, was die Ehre ist", und: „Im Gegensatz zu diesem Ehrbegriff verfügen wir nun über den modernen Begriff der Würde", die jedem Menschen innewohne, diese sei der einzige Begriff, der mit der demokratischen Gesellschaft in Einklang zu bringen sei. Hier ist von der Standesehre die Rede. Bei Böll ist das zwar nicht der Fall, aber „die verlorene Ehre" bedeutet auch in seinem Werk immer noch einen sozialen Tod, wie einst in der Ständegesellschaft. Katharina bezeichnet die Leute von der „ZEITUNG", die sie durch eine Verleum dungskampagne unmöglich gemacht (sozial getötet) haben, als „Rufmörder", die „unschuldige Menschen um Ehre, Ruf und Gesund- heit" bringen. Der (gute oder geschädigte) „Ruf" übt einen großen Einfluss aus, indem er das Ver- halten der Leute gegenüber Katharina bestimmt. Die Kampagne verursacht auch eine existentielle Krise bei ihr, indem sie ein von ihrem Selbstbild sehr weit entferntes, verächtliches Fremdbild um sie herum installiert und die Einheit ihrer Pesönlichkeit zu zerstören droht. In der demokratischen Welt kann man erst durch den Dialog mit anderen seine eigene Identität, seine unersetzliche Persönlichkeit aushandeln. Die Identität des modernen unverwechselbaren Individuums bedarf umso mehr der von den anderen gewährten Anerkennung.
„Die verlorene Ehre", die die dif- famierenden Berichte der „ZEITUNG" bewirkt haben, bedeutet nicht nur den sozialen Tod, sondern auch eine Identiäts- und Persönlichkeitszerstörung. Katharina, die die Frage, ob sie „diese ZEITUNGSmasche für ein Strukturproblem halte", nicht verstehen kann, geht es weniger um das die Menschenwürde verneinende kapitalistische System, das alles, also auch sie und ihren Fall kommerzialisiert, als um den Journalisten, den „Rufmörder", der sie ihrer Ehre beraubt hat. Die Ehre, die der Mensch erst qua sozialer Interaktion besitzt, ist seit alters her mit menschlichen, allzumenschlichen Gefühlen eng verbunden, wie Stolz, wenn er gekränkt wird, mit Scham, Groll, Grimm und Rachsucht, während die Würde, die dem Menschen qua Geburt oder sogar schon durch die Zeugung gegeben wird, statisch und unveräußerlich und erhaben über alle menschlichen Gefühle ist. Die Erzählung, in der es sowohl verbal wie nonverbal gewalttätig zugeht, wo von „Schwein(en)", „in die Fresse hauen", „einen Molotow-Cocktail zu basteln", „an die Kehle zu springen", „erschossen" usw. gesprochen wird, spielt offenbar auf dem Feld der Ehre. Wenn deren Titel statt „Ehre" „Würde" hätte, müsste die Handlung ganz anders verlaufen. Der Erzähler aber hat nicht versäumt, anzudeuten, dass dahinter ein „Strukturproblem", nämlich ein den Grund- gesetzartikel „Die Würde des Menschen ist unantastbar" verleugnendes System lagert.
journal title
Beiträge zur Germanistik in Hiroshima
issue
Issue 27
start page
13
end page
30
date of issued
2013-07-31
publisher
広島独文学会
ncid
language
jpn
nii type
Journal Article
HU type
Journal Articles
DCMI type
text
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application/pdf
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Copyright (c) 2013 by Author
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Graduate School of Letters
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